Vorsorgeauftrag

Haben Sie schon einen Vorsorgeauftrag erstellt?

Mit dem 2013 in Kraft getretenen neuen Erwachsenenschutzgesetz wurde zur Stärkung des Selbstbestimmungsrechts die Möglichkeit geschaffen, dass Sie selber diejenige Person oder Institution bestimmen resp. beauftragen können, die sich im Falle Ihrer Urteilsunfähigkeit um Ihre persönlichen Angelegenheiten kümmert. So können Sie behördliche Massnahmen vermeiden und die Person oder Institution Ihres Vertrauens selber festlegen.

 

Warum soll ich überhaupt einen Vorsorgeauftrag erstellen?

Es kann jedermann treffen, im Falle eines Unfalls, einer Krankheit oder Altersschwäche nicht mehr selber für sich entscheiden zu können. In diesem Falle ist es von Gesetzes wegen Aufgabe der KESB, die notwendigen Massnahmen zu prüfen und gegebenenfalls einen Beistand zu ernennen, den sie für geeignet hält. Mit einem Vorsorgeauftrag können Sie diese Person oder Institution selber bestimmen.

 

Was genau kann ich in einem Vorsorgeauftrag regeln?

In einem Vorsorgeauftrag können Sie bestimmen, wer sich um Ihre persönlichen und finanziellen Angelegenheiten (Personensorge und Vermögenssorge) kümmert. Eine Ihnen nahestehende Person kennt Sie und weiss, welche Bedürfnisse und Ansprüche Sie haben und kann Ihre optimale Begleitung im Alltag sicherstellen, die Betreuungssituation regeln und sich um die administrativen Aufgaben kümmern. Medizinische Massnahmen können zusätzlich in einer Patientenverfügung geregelt werden. Im Rahmen der finanziellen Angelegenheiten erledigt die beauftragte Person Ihren Zahlungsverkehr, verwaltet das laufende Einkommen und kümmert sich generell um Ihre finanziellen Interessen. Mit der Vertretung in rechtlichen Angelegenheiten kann die beauftragte Person zusätzlich Verträge für Sie eingehen und Sie vor Behörden und dem Gericht vertreten. Die einzelnen Befugnisse können Sie in einem Vorsorgeauftrag individuell regeln und auch auf verschiedene Personen oder Institutionen aufteilen.

 

Wer kann einen gültigen Vorsorgeauftrag erstellen und wo bewahre ich ihn auf?

Jede volljährige, urteilsfähige Person kann einen Vorsorgeauftrag erstellen. Der Vorsorgeauftrag ist entweder eigenhändig von Anfang bis am Ende von Hand zu schreiben, zu datieren und zu unterzeichnen oder öffentlich beurkunden zu lassen. Es empfiehlt sich, den beauftragten Personen oder Institutionen eine Kopie des Vorsorgeauftrags auszuhändigen und sie zu informieren, wo er aufbewahrt ist. Ebenfalls können Sie den Aufbewahrungsort beim Zivilstandsamt kostenpflichtig festhalten und den Vorsorgeauftrag direkt bei der KESB hinterlegen.

 

Was passiert mit meinem Vorsorgeauftrag, wenn ich urteilsunfähig werde?

Sobald die KESB von der Urteilsunfähigkeit einer Person erfährt, erkundigt sie sich, ob diese einen Vorsorgeauftrag erstellt hat. Falls ein solcher vorliegt prüft sie, ob er gültig errichtet wurde, ob Sie tatsächlich urteilsunfähig sind und ob die beauftragte Person geeignet ist. Falls die KESB den Vorsorgeauftrag für gültig erklärt, erhält die beauftragte Person ein Dokument, mit dem sie sich für ihre Aufgaben ausweisen und in Ihrem Sinn tätig werden kann.


Ich bin verheiratet oder lebe in einer eingetragenen Partnerschaft – warum benötige ich trotzdem einen Vorsorgeauftrag?

Ehegatten oder eingetragene Partner, die einen gemeinsamen Haushalt führen und einander Beistand leisten, haben von Gesetzes wegen ein Vertretungsrecht. Dieses umfasst jedoch nur Handlungen für den Unterhaltsbedarf, die ordentliche Verwaltung des Einkommens und der übrigen Vermögenswerte und das Öffnen und Erledigen der Post. Bei allen weiterreichenden Rechtshandlungen muss die Zustimmung der KESB eingeholt werden. Es empfiehlt sich darum unbedingt, auch in diesen Fällen einen Vorsorgeauftrag zu erstellen und den Ehegatten oder eingetragenen Partner oder eine Drittperson oder Institution mit umfassenden Stellvertretungsrechten auszustatten.

 

Ein Vorsorgeauftrag kann viele, teilweise komplexe Themen regeln – wir beraten Sie gerne individuell und persönlich dazu.